Sonntag 8.8.99:

8:30 Ich sitze in der Executive Club Lounge am Terminal N in LGW neben der Kinderspielecke, schlürfe einen ‚Cuba Libre' und knabbere meine 2te Pkg Pretzels. England macht es einem mal wieder leicht Abschied zu nehmen - es kübelt, Nebel, grau in grau.

    Rückblick:
    Sa. 7.8.99:
    15:30 Jennifer Zuhause abgeliefert. Heim, Kofferpacken, umpacken, Reste zusammensuchen, wieder umpacken - warum hilft mir denn keiner??! Susi kommt noch kurz vorbei, die Prospekte zurückbringen. Der Internet Wetterbericht Sedona sagt wolkig bis Mittwoch voraus, ausserdem saukalt, nur 85°F. Grrrr. Mist, das Handgepäck ist zu schwer, also nochmal umpacken. Schatzi, wo bist Du, wenn Du die Koffer packst, passt irgendwie mehr rein.... Uff, ich habe fertig!
    21:30 duschen, bischen Fernsehen, ab in die Falle. Schlecht geschlafen, 23:40, 1:30, 2:00, 3:20 auf die Uhr geguckt. Um kurz vor 4 - mitten im Tiefschlaf - klingelt das Telefon. Beinahe die Treppe runtergefallen auf dem Weg zum Anrufbeantworter. Elke kichert ein ‚Guten Morgen' in die Leitung und Sie kommt jetzt - wie schön für Sie... Also Anziehen - die Jeans ist schon wieder enger geworden - ready for departure. Elke gibt mir Ihre Uhr mit, ich hab meine andere nicht gefunden....
    Um 5 sind wir am Flughafen. Terminal D völlig verstopft mit Charterfliegern. Ätsch, mein Club Check In ist frei, also dann Tschüss Elke, Tschüss Koffer (eine(n) von euch seh ich hoffentlich in Phoenix wieder...). Handy abholen. Die haben doch glatt zu, wenn ich am Fr nachts wiederkomme, muss ich also am Sa nochmal an den Flughafen. Ab in die Lounge. Niemand da. Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich allein bin. Ein Tässchen Tee, die Morgenzeitung, Space Night gucken - richtig unwirklich! Der Flieger geht pünktlich. Die Sonne zeichnet ein phantastisches Höhenrelief auf den Boden - glasklare Sicht bis hinter die Donau, Nebelschwaden in den Tälern - toll. Dann wird's diesig - na ja, mümmel ich halt mein Rührei. Pünktlich in Gatwick, was'n Trubel. Es geht zu - überall hat's Touristen, aber hier am Terminal dürfen alle Tax Free einkaufen, die Geschäfte zahlen die Tax - that's service! Ahh, von wegen, bei näherem hinsehen unterscheiden die sehr wohl: Tabak und Schnaps ist inner EU ausgenommen. Pah, zur Strafe kauf ich denen nichts ab.
So, noch 2 Stunden bis zum Abflug, nicht zu vergessen die 1 ˝ km zum gate - es ist das Letzte, die Check In Lady in MUC hat mir einen Fensterplatz im upper deck gegeben... Pünktlich geboarded - Business und First darf natürlich zuerst! Wow, 1 ˝ Meter Platz zum Vordermann, breite Liegesitze, Kissen, Decke, Kopfhörer, eigener Videomonitor am Sitz, 8 Programme zur Auswahl. Das übliche: Ein Gepäckkanister klemmt im Frachtraum - 1 Stunde Verspätung beim Abflug.
12:15 GMT Gewitter über Schottland West, Achterbahn ist ein Dreck dagegen.
13:30 GMT Ah der Atlantik. Durch ein paar Wolkenlöcher sieht man Wasser, bleiern, fast wellenlos.
~16:00 GMT Wir fliegen gerade über Grönland, alles Eis und Schnee und Gletscher.
19:00 GMT Aufgelockerte Bewölkung, Land mit tausenden kleinen Seen unter uns. Zu Essen und Trinken gibt's viel und gut.
Gähn, endlich um 15:00 landen wir in Phoenix, 108°F, ufffff. Beim Zoll und Bagage Reclaim ist alles klimatisiert.
Um 15:40 rollt endlich mein Koffer an - Schweine, die haben mir doch beide Kofferbänder geklaut!!! Raus ins Terminal - ächz, heisssss. Nach 2km Fussmarsch zu Avis bin ich komplett durchgeschwitzt. Ob ich einen Van will fragt er. NEIN Ich will einen 4x4. Gut den krieg ich in der Garage. Zu heiss, viel zuviel Gepäck, noch'n km. Ja, 4x4, keiner da, ob ich denn einen Van will. NEIN!! NEIN!! Ich will einen 4x4!!!!. Ja, 4x4, den muss er dann erst vom anderen Terminal holen lassen. Zum Teufel, die wissen doch, dass ich komme und einen 4x4 gebucht hab!!
Um 16:40 ist es dann soweit: Ein Chevy Blazer wartet auf mich. Der Knülch hinterm Counter drückt mir den Schlüssel in die Hand, sagt bye und widmet sich wieder seiner Zeitung. Und wer erklärt mir, wie man das Ding bedient?? - die Anleitung läge im Handschuhfach! Auf dem Weg zum Auto quasselt mich ein Typ an und will wissen von welchem Hersteller meine Wanderjacke ist. Ich hab keine Ahnung also schauen wir aufs Etikett. Sie gefällt Ihm, grade dass er sie nicht gleich mitnimmt. Der 4x4 ist gross, hoch, grün, wenn man drinsitzt hört hinter der Windschutzscheibe die Welt auf. Von wegen Anleitung, nur Fahrzeugschein, aber was soll's. Gas und Bremse sind da, der Rest kommt später. An der Auslassschranke frage ich den Herrn nach dem schnellsten Weg zum Hwy 87. Er holt eine Karte und meint die 202 raus, am Ende links. Also los, 4 spurig in jede Richtung. Warum fahren die denn alle so langsam? Ach so, hihi, sollte wohl nicht mit 80mph über den Freeway rauschen, mal sehen wie die Cruise Control funktioniert. In dem Ding merkt man die Geschwindigkeit überhaupt nicht. Der 87er ist auch 2 spurig, mit Standstreifen, teilweise über 100m Abstand zur Gegenfahrbahn. Mit 65mph geht's nach Norden (laut eingebautem Kompass!), das Aussenthermometer sagt 41°C. Die Klimaanlage brüllt wie ein Dinosaurier. Weiter vorne am Strassenrand steht die Polizei. Lieber ´n bischen langsamer fahren. Tatsach, Radarkontrolle - aber nicht mich, hähä. Sehr nette Hügelchen mit Saguaros und C's Lieblingen (Jumping Cholla) drauf. Dann eine Baustelle. Der Ausbau des letzten Stücks 87 auf mehrere Spuren. Auf der Gegenfahrbahn Stau, Stau, Stau, mehr als 10 Meilen!! Plakat am Strassenrand - Truckertreffen in Payson, oh nein! - Gott sei dank schon vorbei!
Dann um 18:30 bin ich in Payson, Pueblo Inn. Nett, der Herr an der Reception fragt, wo ich denn herkomme "ah Munich - Oktoberfest!" und wundert sich, dass man von da nach PHX fliegen kann. Nee, über London bin ich geflogen, "London, where's this?". Am Wochenende war er ausgebucht (Truckertreffen). Gepäck ins Zimmer, Klimaanlage voll einschalten, einkaufen fahren.
Um 19:30 hat jemand das Licht ausgeknipst, es ist draussen stockdunkel, also ab in die Falle. Unruhige Nacht.
1:10 eigentlich wäre ich jetzt fit, aber ich halts dann doch noch bis 5:10 aus.

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