Donnerstag 12.8.99:

Letzter Tag. Ich werde ohne Ping um 5:00 wach und beschliesse mir den Sonnenaufgang anzusehen. Von meiner Zimmertür aus (ein Campingstuhl steht auch da, how convenient) geniesse ich, wie die Sonne langsam über den hintersten Bergkamm steigt und das Verde Valley mit Licht füllt.
6:30 Brkfst, nur Kaffee, die Cookies sind noch nicht da, naja, lad ich halt mein Auto ein und fahr zum Dead Horse Ranch State Park.
Bin um 7:00 da, der Park gehört mir allein. Es ist der Englische Garten von Cottonwood, gepflegter Campground, Spielplatz mit Schaukel und Schaukeltieren für die Kleinen. Ich laufe erst an einem kleinen Creek entlang dann um die Lagoon - friedlich. Von einer der zahlreichen Bänke aus schaue ich 2 Stinktieren bei der Morgentoilette zu. Ein Reiher stolziert am Ufer rum. Dead Horse Ranch State Park Lagoon
Um 8:05 fahr ich vor zum Zahlehäusl, löhn 4$ und hol mir īne trailmap. Auf zum Verde River Greenway Trail. Breiter sandiger Weg teilweise unter hohen Bäumen. Eidechsen huschen mir fast über die Füsse. 3m vor mir schlängelt sich eine Schlange quer über den Weg. Ein Stück weiter noch eine - machen wohl ein Wettrennen. Vögel singen, Grillen lärmen.
Um 9:00 bin ich wieder am Auto, es wird warm, 26°C. Ich fahr zur River Day Use Area, zuvor noch ein kleiner Abstecher um ein Foto von einem Pueblo zu machen (Tuzigoot?). Picknick.
Tuzigoot National Monument Um 10:00 breche ich auf in Richtung Tuzigoot National Monument (heute ist Kesslers Tag der Kultur, gibt's nur einmal alle 10 Jahre, aber mein rechtes Schienbein / Knie schmerzt bei jedem Schritt...). Ha, der Pueblo, den ich vorhin fotografiert hab' ist tatsächlich Tuzigoot (tja, bei meinem Orientierungssinn hätt' ich Brieftaube werden sollen....). 2$ Eintritt.
Bruthitze - Steinmauern ohne Dach. Visitorcenter auf 18°C runtergekühlt (es hat sich nichts geändert seit 88). 2 Ranger mauern die Pueblowände wieder hoch, die durch Wasser und Mäuse eingestürzt sind (heut' īn Stein, morgen īn Stein - bloss keine Hetze bei der Hitze... ).
Nach īner Stunde fahr ich wieder - es ist noch früh am Tag, erst 32°C also doch noch den Sycamore Canyon angucken. Tolle Dirtroad. Nach gut 20 Minuten bin ich am Trailhead. 2 andere Autos da. Was für ein toller Canyon, hier will ich wieder hin - aber nicht allein!! Ich hab Hunger also zurück nach Cottonwood Restaurant suchen. Plötzlich bricht die Karre vorne aus - gegenlenken - das Hinterteil kommt sanft aber beharrlich rum, wieder gegenlenken, Scheisse, zu viel, schleuder, es rumpelt, ich steh 90° zur Strasse mit dem Heck im Graben.
Gaaanz ruhig jetzt, Nerven beruhigen, Schluck trinken, der Motor läuft ja noch. Aussteigen, durchschnaufen, Puls unter 120 drücken und Lage begutachten. Hmmm, ich Glückspilz. Ein Baum steht in der Wüste am Strassenrand und den hab ich um Handbreit verfehlt. Lag wohl an dem Felsbrocken, der das rechte Hinterrad äh gebremst hat. Ausserdem sitzt die Karre im hinteren Drittel auf - was müssen die ihre blöden Gräben auch mehr als Reifendurchmesser tief machen. Eigentlich īne nette Bremsspur - sieht aus als wär jemand in den Graben gefahren, dabei war ich doch gar nicht schnell, höchstens 20, naja 25, also maximal 30. Ich komm mir vor wie in einem schlechten Roadmovie. Wie komm ich jetzt hier wieder raus?? Langsam schaukeln wird wohl nichts wegen Baum und Gebüsch, ich probiers auf die weibliche Tour - Augen zu und Gas geben. YEAH! - wieder draussen!! Jetzt aber weiter, diesmal ein bischen vorsichtiger. Das kommt davon wenn kein "Fahr doch nicht so schnell" neben einem sitzt! In Cottonwood sind 4! Polizeiwägen damit beschäftigt Tickets wegen zu schnell zu verteilen - aber nicht an mich!! Das rechte Hinterrad hat eine leichte Unwucht - hoffentlich merken die bei Avis nix.
Ich fahr weiter bis nach Camp Verde und esse in Sisterīs Cafe um 12:30 ein Steak auf Toast. Ah, gigantisch, innen roh, das Vieh ist wesentlich zarter als unser Einheimisches (kommt wohl von den Hormonen im Futter).
13:15 Weiter zum Camp Verde Historic State Park bei 36°C. Der Wetterbericht sagt für heute Höchstwerte von 111°F in Phoenix an - splendid. Der State Park ist eher enttäuschend. 4 Häuser aus der Zeit als hier noch die US Cavalry Indianer ausgerottet hat und ein kleines Museum. Ist ja auch nur ein Camp und kein Fort. Camp Verde Historic State Park
14:15 Ich sitze bei Dairy Queen und schlürfe einen Chocolate Milchshake. So, back to Phoenix. Mittlerweile hat's 39°C. In Black Canyon City (masslose Übertreibung, ein paar halbverfallene Hütten, Campground, Shop und Tankstelle) wird nochmal für 8$ getankt sonst komm ich nicht bis Phoenix. 40°C. Es geht ganz schön zu. Erlaubt sind 75mph, die meisten, vor allem LKW, fahren schneller. In Phoenix hat's 42°C. ich fahr' Paria Ave raus zum Metro Center.
16:00 Die hundert Meter vom Parkplatz zum Eingang sind īne Qual. Drinnen ist es kühl, angenehm temperiert, geradezu unamerikanisch warm. Es hat Galerien, an den Kreuzungspunkten Springbrunnen, Palmen... ich shoppe ein paar Souvenirs und Jeans, setz mich an einen Brunnen und schau den Wasserspielen zu.
Kurz vor 18:00 geh ich wieder zum Auto, such mir einen Parkplatz im Schatten und packe endgültig meine Koffer für den Heimflug. Dann ab zum Flughafen. Kurz vorher nochmal runter vom Freeway, volltanken. Am Flughafen verfahr ich mich wieder, statt am Terminal 4 bin ich plötzlich am Frachtterminal gelandet. Ich würd das Auto zwar gern mitnehmen, aber da ist Avis bestimmt dagagen... Ein Strassenfeger erklärt mir, wie ich zum Terminal 4 komme. Ah, geschafft. Ein junger Avis Knülch nimmt das Auto entgegen und fragt ob alles ok war. Ja, ja, sehr gut, nur hinten rechts irgendwie komisch und der Motor braucht mal service (die Hinweisleuchte ‚service engine soon' ist zumindest an). Er sagt er kümmert sich drum. So auf zum Terminal Marathon mit Gepäck. Ich leiste mir einen Trolley (2$) und laufe den Walkway im Freien bis zum Terminaleingang - Eiseskälte! Ich checke bei BA am First Class Schalter ein. Die Lady guckt sehr reserviert als ich mich vor ihr breitmache, wird aber gleich freundlicher als ich ihr meine Silver Card unter die Nase halte. Auf meine Frage ob's hier īne Dusche gibt ruft sie irgendwo beim Service an und meint dann ja, in den Restrooms bei der Gepäckausgabe, in der Lounge sei keine. Also auf dahin, nix Dusche im Restroom. Ich frag nochmal an der Zentralinformation - Nee, Dusche gibt's nur in Terminal 3 Inter Terminal Shuttelbus... Ich zieh mich im Behindertenrestroom um (neue Jeans) und suche die Lounge. Vorher Sicherheitscheck. Irgenwas passt denen an meinem Rucksack nicht. Beim hin und herfahren in der X-Ray machine fällt hinten beinahe mein Foto runter. Einer der Security Leute fängt ihn grade noch auf. Die Mieze in der Lounge ist überaus nett. Sie kommt aus Hawaii lebt aber schon seit 20 Jahren hier. Ich dumpe meinen Rucksack in einem Sessel und geh zur Reception zurück zum ratschen. Mittlerweile sitzt neben meinem Rucksack eine Lady. Wir kommen ins Gespräch, sie ist aus Salt Lake City, wo ein Tornado gestern das Haus ihrer Mutter verwüstet hat. Von Beruf ist sie Travel Agent und mit Will (Account Manager BA USA) unterwegs nach London. Will kommt kurz darauf und wir unterhalten uns bis zum Abflug. Der Flieger kommt pünktlich aus San Diego. Noch schnell ein Anruf vom Handy aus heim, dass alles ok ist (hier geht das Ding wenigstens, die letzten Tage war immer Analog Roaming Area, nur lokale Gespräche, immerhin).
Wir boarden 10 Minuten vor takeoff, diesmal als letzte, macht aber nix. Kurz nach dem Start Ohrenstöpsel rein, Augenbinde, Decke drüber, Liegesitz, rüssel.... 3 Stunden vor der Ankunft in London werde ich wach. Dinner hab ich verpennt, dafür gibt's jetzt ein leckeres Frühstück. Wir sind fast eine Stunde zu früh in London.

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